Nokia. Ja genau, der finnische Handyhersteller den die Politiker und Volkstribune nun boykottieren wollen. Um diesen Konzern geht es in diesem Kommentar. Vorweg, es tut mir um die Mitarbeiter leid die nun ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Sie individuell trifft kaum Schuld. Ich will auch nicht die katastrophale Kommunikationspolitik (intern wie extern) gut hei?en mit der Nokia seine entscheidung zur Standortschlie?ung verk?ndet. Darum soll es hier nicht gehen. Aber um die Volkstribune die nun auf den Emp?rungszug aufspringen und die seltsame Weltsicht die sie vertreten.
Zuerst die Fakten. Nokia hat das Werk (damals noch eine TV Produktion) 1988 ?bernommen. Mit Hilfe staatlicher Subventionen wurde Ende der achtziger Jahre Nokia geholfen, das Werk auf die Endmontage von Mobiltelefonen umzustellen. Daf?r wurden insgesamt rund EUR88m gezahlt, der Konzern gab f?r eine gewisse Zeit eine Besch?ftigungserkl?rung f?r rund 2800 Mitarbeiter (die genaue Anzahl schwankt, je nachdem wem man Glauben schenkt).
Vor einigen Tagen (20 Jahre nach der ?bernahme durch Nokia) gab der Konzern die Verlagerung der Endmontage nach Rum?nien bekannt. ?ffentlich wurde dies mit den hohen Lohnkosten in Deutschland begr?ndet. Laut Handelsblatt (und indirekt Spiegel) d?rfte der Grund aber eher darin liegen, dass in Osteuropa einerseits neue Absatzm?rkte entstehen und andererseits, der Lohndruck auf die Zulieferbetriebe deutlich h?her ist als auf das Montagewerk von Nokia (Lohnkosten = ca 5% der Kosten). Neben Nokia werden sich, bzw. haben sich dort zahlreiche Zulieferbetriebe niedergelassen. Die meisten Bochumer Nokia-Besch?ftigten werden ihren Arbeitsplatz Mitte 2008 verlieren.
Der gr??te NRW Arbeiterf?hrer J?rgen R?ttgers, Gewerkschaftler, ja selbst die Kanzlerin zeigen sich emp?rt. Nokia wagt es, k?hl zu kalkulieren und Arbeitspl?tze abzubauen f?r die der Staat vor vielen Jahren Subventionen gezahlt hat. Subventionen mit denen k?hl kalkulierende Konzerne eine neue ?konomische Rechnung bei einer Standortentscheidung aufzumachen. (Entweder rechnet sich ein Standort, dann bedarf es keiner Subventionen – oder er rechnet sich ohne Hilfe nicht. Dann handelt der Staat genauso k?hl-berechnend wie Nokia wenn er Subventionen zahlt.) Ist Boykott nun angebracht?
Ist der Konzern eine Subventionsheuschrecke? Darunter verstehe ich einen Konzern der nur Subventionen einstreicht und keine Werte als Gegenleistung schafft. Dies trifft hier nicht zu. Nokia hat ?ber viele Jahre Steuern bezahlt und mehrere Tausend Menschen einen Arbeitsplatz geboten. Alleine das Steueraufkommen d?rfte die gezahlten Subventionen um ein mehrfaches ?betreffen – von den eingesparten Sozialleistungen und der h?heren Kaufkraft der Angestellten gar nicht zu reden.
Bei aller Emp?rung die aus dem Schock entsteht seinen Arbeitsplatz zu verlieren – Es gibt weder eine gesetzliche Pflicht f?r Unternehmen noch einen Anspruch der B?rger darauf, dass Konzerne in Deutschland investieren.? Im Gegenzug gibt es auch keine Verpflichtung der B?rger eine Arbeit zu einem bestimmten Lohn zu verrichten, G?ter nach Vorschrift zu kaufen. Wer glaubt, mit Subventionen mehr als eine bestimmte Zeit ?konomische Realit?ten aussetzen zu k?nnen, versteht nicht einmal sein eigenes kleines wirtschaften. Dies von einem Konzern zu fordern, weil er ja gr??er und profitabel sei, ist mit zweierlei Ma? zu messen. Erst popul?r – solange es einen nicht selber trifft.
Was ist die Lehre? Mehrere tausend Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz weil sie nicht in das gro?e Rechnen passen, bzw. ihre Leistung woanders ?konomisch sinnvoller erbracht werden kann. Die mit den Subventionen gekaufte Zeit wurde vermutlich nicht genutzt um sich auf die Zukunft vorzubereiten (oder aber dies wird jetzt in der Diskussion totgeschwiegen). F?r den Staat d?rfte die Rendite aus den EUR88m Subventionen dennoch sehr beachtlich sein – vermutlich deutlich zweistellig. Nokia erleidet gerade massiven Imageschaden – ein Umstand den sich der Konzern mit seiner schlechten Kommunikation selber zuzuschreiben hat. Die Politiker schwingen gro?e T?ne – ohne wirklich etwas ausrichten zu k?nnen, damit entt?uschen sie langfristig die Betroffenen und B?rger. Mindestens genauso schlimm, sie demonstrieren ein Verst?ndnis von Wirtschaft das sicher nicht sonderlich attraktiv f?r Investoren ist. Egal ob sie aus dem In- oder Ausland stammen, gro? oder klein sind.
Es gibt also nur Verlierer, mit Ausnahme der Rum?nen die sich ?ber neue Arbeitspl?tze und eine Entwicklungschance f?r einen absehbaren Zeitraum freuen.










































